Strafvollzugsrecht

Nach hiesigem Verständnis endet das Mandat und die Verteidigung nicht mit Rechtskraft des Urteils. Denn auch nach rechtskräftiger Verurteilung bestehen zahlreiche Möglichkeiten, die mit der Verurteilung verbundenen Beschränkungen und Einbußen zu minimieren.

Es ist auch Aufgabe der Verteidigung, den Mandanten im Rahmen von Vollstreckung und Vollzug der ausgeurteilten Strafe oder Maßregel zu unterstützen. Hier geht es insbesondere um das Erreichen eines Strafaufschubs, das Erreichen und von Lockerungen und Hafturlaub, die Verbüßung der Freiheitsstrafe im offenen Vollzug, die Änderung von Bewährungsauflagen sowie um die Stundung oder den ratierliche Ausgleich einer Geldstrafe zur Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen.

Für Inhaftierte im laufenden Strafvollzug steht immer wieder die Aussetzung des Strafrests zur Bewährung im Mittelpunkt. Denn nach einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt worden ist, besteht die Möglichkeit der Verkürzung der Haftzeit.

So kann etwa nach der Hälfte oder zwei Dritteln der Haftstrafe der verbleibende Strafrest einer zeitigen Freiheitsstrafe unter den Voraussetzungen des § 57 StGB erlassen und zur Bewährung ausgesetzt werden. Hierfür ist ein entsprechender Antrag des Inhaftierten und das Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen erforderlich. Auch nach dem Zweidrittelzeitpunkt ist es möglich, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen (die sogenannte „Reststrafe“). Deswegen ist es ratsam, bei der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe einen in Strafvollzugs- und Strafvollstreckungssachen erfahrenen Anwalt hinzuzuziehen.